Weshalb & warum

Ich stelle mir oft die Frage, was mich eigentlich zu diesem Projekt motiviert hat.

Im Jahr 2020 gründeten wir unsere GbR, wobei die Motivation zugegebenermaßen recht zwiegespalten war. Dennoch fand ich schnell Gefallen an der Idee eines eigenen Unternehmens, weshalb ich mein Studium der Medizinischen Informatik aufgab und zur klassischen Betriebswirtschaftslehre wechselte.

Die GbR wurde zur „Spielwiese“ des erlernten Wissens. Mit der Zeit wuchs sie – und somit auch die Verantwortung, insbesondere aus steuerlicher Sicht. Die Schwerpunktwahl fiel daher zweckmäßig auf Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung. Schnell fand ich Gefallen daran, denn Steuern lasen sich für mich nicht wie ein zähes Bücherwerk, sondern wie Anweisungen. Anweisungen, die systematisch und nahezu algorithmisch ineinandergreifen. Bereits zu diesem Zeitpunkt kam in mir die Frage auf, warum eigentlich noch niemand versucht hatte, das Steuerrecht als Software abzubilden.

Getrieben von den Geschäften der GbR zog es mich immer weiter in die Automobilbranche, die wenige Jahre zuvor noch ein intensives Hobby von mir war. Jedoch ist es wie mit so vielen Dingen im Leben: Macht man sein Hobby zum Beruf, verliert man oft den Spaß daran.

Steuern und ihre Planung blieben dabei dennoch irgendwie immer ein treuer Begleiter, der mir Freude bereitete. Den endgültigen geistigen Durchbruch lieferte ein Gastvortrag an meiner damaligen FH zum Thema TCMS. Ich musste sofort an eine Software denken und daran, wie all diese Elemente aus Datenströmen zusammen ein Sicherheitsnetz weben.

Genau dies veranlasste mich dazu, meine Masterthesis („Die Organschaft in der Gestaltungsberatung nach deutschem Steuerrecht“) auf diesen Fokus auszurichten. Dabei verband ich ein – in meinen Augen – äußerst sinnvolles Konzept aus dem Bereich Supply Chain Management / Controlling mit der steuerlichen Welt. Seien wir ehrlich: Warum sollten sich abstrakte Risiken von denen der physischen Welt unterscheiden? Letztlich sind es Risiken, die gehandhabt werden müssen, und nicht Steuern. Diese sind lediglich der Gegenstand der Risiken – vergleichbar mit einem Gut, das innerhalb einer Lieferkette bewegt wird.

Der wirklich finale Durchbruch entstand jedoch während meiner Pflichtzeit in der Vorbereitung auf das StB-Examen. Für jemanden, der aus einer Branche kommt, in der effiziente und vor allem zuverlässige (im Sinne von reproduzierbaren) Lösungen alles sind, war die Umstellung auf Excel-Tabellen und gängige Buchhaltungssysteme wie eine Zeitreise in das Zeitalter von Windows 98.

Zu beobachten, wie Menschen mit der Technik kämpften, anstatt sie sich regelrecht „untertan“ zu machen, war für mich erschütternd und schmerzhaft anzusehen. Es führte mir auch eine gewisse Absurdität vor Augen: Diese Branche wird von disziplinierten und hochintelligenten Köpfen getrieben. Dennoch ist sie zugleich geprägt von einer notorischen Abhängigkeit und monopolistischen Machtstrukturen, die alles andere als transparent sind.

Fragen Sie sich einmal selbst: Vertrauen Sie Dingen, die Ihnen nicht gehören? Über die Sie keinerlei Datenhoheit besitzen? Deren Mechanismen Sie nicht beurteilen können?

Sollte die Antwort auf mindestens eine dieser Fragen „Nein“ lauten, dann verstehen Sie, warum ich diesen Weg gewählt habe.

Deshalb: Wirken Sie mit. Teilen Sie Ihre Kritik, Ihre Anregungen oder was auch immer Sie beitragen möchten.